Hausmittel gegen Ischias

Ischalgie heißt das Phänomen, wenn ein reißender Schmerz vom Rücken über das Gesäß in einen Oberschenkel bis hinunter in den Fuß ausstrahlt, eine Lumboischialgie ist es, wenn sich die Schmerzen zudem im unteren Rücken festsetzen.

Zum Glück gibt es einfache Übungen, mit denen wir den äußerst starken Ischias-Schmerzen begegnen können. PD Dr. med. habil. Tanja Schlereth ist Oberärztin an der DKD Helios Klinik in Wiesbaden und Prof. Dr. Ingo Froböse ist Sportwissenschaftler. Beide haben sich eingehend mit dem Ischiasnerv beschäftigt.

Die hauptsächlichen Ursachen für Rückenschmerzen sind:

  • degenerative Bandscheibenveränderungen
  • Arthrose der Wirbelgelenke
  • Bewegungsmangel
  • einseitige (Über)Belastungen
  • muskuläre Verspannungen
  • Reizungen der Nervenwurzeln
  • psychischer Stress

Bei einer Ischialgie sind der Ischiasnerv selbst oder die Nervenwurzeln in der Region der unteren Lendenwirbel, aus denen der Ischiasnerv hervorgeht, gereizt. Verursacht wird dies zum Beispiel durch Druck auf den Ischiasnerv, Bandscheibenvorwölbungen beziehungsweise Bandscheibenvorfälle oder degenerative Veränderungen an den Wirbelgelenken. Wenn der Ischiasnerv im Bereich des Gesäßes oder an den Nervenwurzeln gereizt wird, kann der Schmerz in die Beine oder den unteren Rückenbereich ausstrahlen.

Über Rückenschmerzen, Ischiasnerv und Hexenschuss habe ich schon öfter berichtet, zum Beispiel unter diesem Link:

Um die üblen Schmerzen loszuwerden, muss zunächst einmal die richtige Diagnose gestellt werden. Dazu bedient sich der Arzt der sogenannten Flags (Flaggen), also Warnhinweisen, die das weitere Vorgehen bestimmen. Höhergradige Lähmungen oder Störungen bei der Blasenentleerung gehören beispielsweise zu den Red-Flag-Symptomen einer Ischialgie.

Es gibt aber auch psychosoziale Risikofaktoren für chronische Rückenschmerzen wie Depressivität, „Katastrophisierung“, Angstvermeidung, Schonverhalten und eine Neigung zur Somatisierung. In solchen Fällen sieht der Arzt ein Yellow Flag.

 

Was tun, wenn der Ischiasnerv Schmerzen verursacht?

Bleiben Sie unbedingt in Bewegung, um die verspannten Rückenmuskeln wieder zu entspannen. Durch eine Stufenbettlagerung wird die Wirbelsäule entlastet. Dabei legen Sie die Unterschenkel auf eine Erhöhung, zum Beispiel ein dickes Kissen, in der Weise, dass Knie und Hüfte ungefähr einen 90-Grad-Winkel bilden. Eine Bettruhe sollte auf keinen Fall länger als drei Tage eingehalten werden.

Akute Schmerzen können und sollten Sie mit Schmerzmitteln unterdrücken, um jenen Teufelskreis zu durchbrechen, der eben deshalb entsteht, weil starke Schmerzen die Muskelverspannung immer weitertreiben. Die gute Nachricht ist, dass ungefähr 75 Prozent der Patienten mit Bandscheibenvorfall ihre Beschwerden ohne Operation wieder loswerden.

Als Sofortmaßnahme im Akutfall ist stets Wärme zu empfehlen. Gut geeignet sind Wärmekissen oder warme Wannenbäder.

Drei spezielle Ischiasübungen zur Vorbeugung

1.Hol das Bein ran

Auf den Rücken legen, Füße aufstellen und Knie anwinkeln (Grundposition), das linke Knie mit beiden Händen fest umschließen und soweit es geht zur linken Schulter heranziehen. Position 30 Sekunden halten. Nach drei Durchgängen das Bein wechseln. Zum Abschluss beide Knie gleichzeitig zu den Schultern ziehen.

2. Mach den Knoten

Aus der Grundposition den rechten Fuß aufs linke Knie legen. Mit beiden Händen das linke Bein unterhalb der Kniekehle umschließen, um es an den Körper heranzuziehen, sodass eine Spannung in der Gesäßmuskulatur zu spüren ist. Position eine Minute halten und Bein wechseln. Zwei Durchläufe pro Bein.

3. Maximale Streckung

Auf die Knie gehen und langsam nach vorne beugen, wobei das Gesäß die Füße berührt. Arme lang ausstrecken und mit den Handflächen die Matte oder den Boden berühren. Position zwei Minuten halten, Übung einmal wiederholen.

Wann unbedingt der Arzt aufgesucht werden sollte

Hierzu sind die Red Flags auf jeden Fall ein Anhaltspunkt. Der Gang zum Arzt ist in folgenden Situationen angezeigt:

  • Akutes schmerzhaftes Trauma durch Rückenverletzung (Unfall)
  • Bakterielle Infektion
  • Fieber / Schüttelfrost
  • Immunschwäche
  • Tumorbildung
  • Nächtliche Schmerzen nach Infiltration an der Wirbelsäule
  • Sensibilitätsstörung oder Lähmung
  • Entleerungsstörung bei Blase oder Mastdarm

Dieser Beitrag wurde am 28.06.2022 erstellt.

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